Förderverein "Anhaltische Gemäldegalerie und Georgengarten" Dessau e.V.
Georgium | Architekturen

Das Schloss (Georgenhaus)
Das schlichte zweigeschossige, von Pilastern gegliederte und
einem belvedereartigen Dachaufsatz bekrönte Georgenhaus
entstand von 1780 bis 1784. Prinz Johann Georg stattete es
mit zahlreichen Kunstwerken aus, die in Begleitung des Kastellans
auch von jedermann besichtigt werden konnten. Nach dem
Anbau der beiden Seitenflügel 1893 sowie weiteren umfangreichen
baulichen Veränderungen im Inneren diente das Schloss bis 1944
als Wohnsitz der Erbprinzessin. Von 1944 bis zum Ende des
Zweiten Weltkrieges beanspruchte der nationalsozialistische
Gauleiter für Anhalt-Magdeburg einen Teil des Hauses für sich.
In der Folgezeit war das Schloss Sitz der sowjetischen Armee-
kommandantur und schließlich Pionierhaus für Schüler der ersten
bis siebenten Klasse. Seit 1959 beherbergt es die
Anhaltische Gemäldegalerie mit ihren Kunstbeständen.

Das Blumengartenhaus grenzt den
Zierblumengarten zur "wilderness" ab. Während die Vorderfront
leuchtend weiß gestrichen und einer antiken Tempelfassade
nachgestaltet ist, führt die rotbraune Rückseite, deren Vorbild im
englischen Park von Rousham zu suchen ist, ein erstaunliches
Eigenleben. Im Inneren des Staffagebaus wurden neben
Kupferstichen kleine Tonmodelle des italienischen Bildhauers
Bartolomeo Cavaceppi aufbewahrt. Heute ist hier das Kindermuseum
untergebracht.

Vom Gegenstück des Blumengartenhauses, dem ehemaligen
Küchengebäude auf der Westseite des Schlosses ist nur der
Portikus erhalten.
Der Obst-, Baum- und Küchengarten diente nicht
nur zur Versorgung der fürstlichen Tafel, er sollte gleichzeitig der
Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich über Nutzpflanzen und
deren Aufzucht zu orientieren. Heute läßt eine Streuobstwiese mit
Obstarten, wie sie auch vor 200 Jahren gängig waren, die historische
Situation wieder aufleben.

Das Orangerieensemble bildete den südlichen Parkabschluß
und umfasste neben der Orangerie selbst das Billardgebäude,
die Remise und den Pferdestall. Die Orangerie - mit dem
Billard zu einem Gebäude vereinigt – ist heute Ausstellungshalle
für die Anhaltische Gemäldegalerie und den Anhaltischen
Kunstverein.

Der Ionische Tempel (Monopteros), Antiken-
verehrung und Englandrezeption zugleich, bildete als visuelles
Zentrum den Höhepunkt des intensiv durchgestalteten Gartenteils.
Die Sichten hinaus in die Landschaft sind durch die umgebende
Bebauung verlorengegangen, wiederhergestellt sind die Sichtachsen
innerhalb des Parks.

Die Römischen Ruinen sind eine Nachbildung
des Portikus vom Saturntempel auf dem Forum Romanum in
verkleinerter Form. Da von fast jedem Beobachterstandort eine Säule
verdeckt ist, werden sie im Volksmund die "Sieben Säulen" genannt.

Der Amaliensitz gehörte zu einer Reihe von überdachten Sitzen,
die zum Schutz vor Unwetter dienten, aber auch zum Ausruhen,
Meditieren und zum Schauen in die Landschaft einluden. Benannt
waren sie nach besonders vertrauten Familienangehörigen des
Prinzen: Erbprinzessin Christiane Amalie (1774-1846) war die
Schwiegertochter des regierenden Fürsten Franz.

Das Fremdenhaus
Ein "Musterbeispiel für die beabsichtigte allgemeine Bildung" war
das Fremdenhaus, das den Gästen des Prinzen zum behaglichen
Aufenthalt diente. Da sein Inneres der Öffentlichkeit verschlossen
blieb, gestaltete Erdmannsdorff die Außenfronten mit Elementen
aus vier verschiedenen Stilepochen: Gotik sowie schlichter
holländischer Barock finden an der Ost- und Westseite Verwendung,
für die Südseite steht Palladios Palazzo Thiene in Vicenza und somit
der Stil der Renaissance Pate und die kühl-sachliche Nordfassade,
gekrönt von Sandsteinvasen, verweist bereits auf die letzte
Schaffensperiode des Baumeisters.

Skulpturen wie die der Diana Agrotera, einer
Farnesischen Flora beleben die Gartenräume, die Venus von Medici
und ein Appollino vor dem Schloß verweisen auf die Bestimmung des
Hauses und zwei
Sphingen als vieldeutigen Gartenmotive flankieren
den Parkeingang, werden so zu Hütern der Georgengartens. In den
naturbelassenen Bereichen des Beckerbruchs und des Streitwerders
entdeckt der aufmerksame Wanderer u. a. die Kopie eines liegenden
Hermaphroditen sowie die Nachbildung eines antiken Sarkophagdeckels
mit einer Schlafenden Schäferin.

Der Triumphbogen, eine Nachbildung des sogenannten
Drususbogens in Rom, überspannt einen Fahrweg. Einerseits diente er
zum Übertrieb der Schafe und Ziegen, war gleichzeitig aber auch
in perspektivischer Sicht ein klassisches Rahmenmotiv für das Standbild des
Fürsten Franz, das der Prinz in Verehrung seines älteren Bruders hatte
aufstellen lassen. Die Skulptur - Fürst Franz als römischer Gelehrter - ist
zerstört, nur der Denkmalsockel ist erhalten.

Der Holländische oder Rote Bogen ist nur teilweise erhalten.
Ursprünglich trug er ein Kabinett, geschmückt mit Kupferstichen nach
dem Medici-Zyklus von Peter Paul Rubens. Aus den Fenstern ging eine
Sichtachse in nordwestliche Richtung bis zu dem in 2 km entfernt
aufgestellten Obelisk. Die Sicht ist heute durch die Bebauung nicht
mehr gegeben, doch deutet der Obelisk noch immer auf den Übergang
zum Kühnauer Park hin.

Mit der Ruinenbrücke, dem mittelalterlichen Bogen und
dem kleinen Ruinenturm am äußeren Ende der Insel nimmt der
Vanitasgedanke - die Vergänglichkeit alles Existierenden - Gestalt an.

Der Vordere Sitz
Der nach drei Seiten hin offene sogenannte Vordere Sitz läßt den
südlichen Teil des Beckerbruchs lebendig werden. Zu seinen Füßen
öffnet sich ein langgestreckter Freiraum, abgesteckt von dichter
Gehölzkulisse.

Vor dem Fürstensitz breitete sich ein ungewöhnlich großer Naturraum
aus. Nach Jahren der Kiesgewinnung in den 1970er Jahren ist die
ehemals Stille-Plan-Wiese in einen großen See umgewandelt worden,
belebt von vier kleinen Inseln.

Der Elbpavillon als nördlicher Blickfang der
Georgenallee ist ein turmartiges Gebäude mit einer Plattform über dem
Pyramidenzeltdach. Er war gedacht zu kurzzeitigem Aufenthalt und
deshalb im Inneren mit Kupferstichen geschmückt. In naher Zukunft soll
er, ähnlich seiner ursprünglichen Bestimmung, als Übernachtungsmöglichkeit
hergerichtet werden.




 letzte Änderung: 13.11.2017 | © by Förderverein